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Kirchengemeinde Lindenhardt

              

Gottesdienst zum Ostersonntag        12.04.2020

Kirchengemeinde Lindenhardt

 

Begrüßung

Im Namen Gottes + des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Der Herr sei mit euch.

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Mit diesen Worten zum Osterfest 2020 grüsse ich Sie und euch alle zu einem etwas anderen Gottesdienst. Es ist schon merkwürdig, auch für mich, wenn dieser Festgottedienst nicht in der St. Michaelskirche, sondern am Bildschirm, am Smartphone, am Laptop und am Computer gefeiert wird. Ja, vieles ist derzeit anders, auch dieser Auferstehungsgottesdienst. Aber besser so, als gar nicht! Dieses wichtige und zentrale Fest unseres Glaubens darf nicht ausfallen! Lassen wir uns also ein auf diese außergewöhnliche Form. Auch da will Gott uns nahe sein und uns segnen.

Lied    EG 100,1-5

Tagesgebet

Herr Gott, himmlischer Vater, du hast Jesus von den Toten auferweckt und ihn zum Herrn gemacht über Leben und Tod.

Wir bitten dich: Lass uns an seiner Auferstehung teilhaben und erfülle unserer Herzen mit Hoffnung und Freude. Schenk uns Kraft, dass wir dem Leben glauben und nicht dem Tod. Führe uns aus der Angst in die Zuversicht, aus der Erstarrung in die Freiheit, aus dem Zweifel zum Vertrauen an dich, du Gott der Liebe und des Lebens.

Das bitten wir durch unseren auferstanden Herrn Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen

Osterevangelium  Markus 16,1-8

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und den Leichnam Jesu zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander. Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes, weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich sehr.

Wort des lebendigen Gottes.

Glaubensbekenntnis

Lied     EG 113,1-4

Predigt    1. Samuel 2,1-2.6-8a

Liebe Gemeinde,

seit Wochen liegt ein beklemmendes, ja tödliches Schweigen über unserem Land und der ganzen Welt. Das macht sprachlos. Was mich aber beeindruckt und bewegt, das sind die abendlichen Lieder und das Klatschen von den Balkonen und aus den geöffneten Fenstern unserer Städte. Da sind Menschen, die durchbrechen das Schweigen und singen in die Trostlosigkeit ein Lied der Hoffnung.

Ja, es sind besonders die Lieder, die unsere Emotionen weiter tragen, und Hoffnung wecken, und Zuversicht verbreiten und Kraft zum Durchhalten geben in schwerer Zeit. Dazu gehören auch die „Solokonzerte“, die viele Künstler derzeit gratis ins Netz stellen. Da spüren wir Verbundenheit und Nähe trotz körperlicher Distanz! Da zeigt sich Gemeinschaft und Einigkeit mit Herzen, Mund und Händen. Da wächst Leben gegen das Sterben.

Damit sind wir unbemerkt ganz nahe an Ostern herangerückt. Wer das Wunder von der Auferstehung fassen will, der sollte am besten davon singen. Ostern heißt: Das Lied des Lebens erklingt im Umfeld des Todes. Menschen singen gegen den Tod von ihrem Gott des Lebens. Dieses Lied bricht sich Bahn in den jubelnden Melodien unserer Osterchoräle und es strahlt auf in den fulminanten Klängen der Orgeln. Schade, dass wir derzeit darauf verzichten müssen. Dadurch geht uns ein wesentlicher emotionaler Zugang zu Ostern verloren.

Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich euch ermutigen: Kommt doch und singt mit! Warum nicht ein Osterlied von den Balkonen? Warum nicht einen Auferstehungschoral im Wohnzimmer? Warum nicht eine schöne CD mit österlichen Klängen auf den Fluren unserer Pflegeheime? Warum nicht ein kurzer Ostergruß: Der HERR ist auferstanden ... er ist wahrhaftig auferstanden! via „WhatsApp“. Christen sind kreativ und machen täglich das Beste aus der Krise. Gegen alle Lieder des Todes, die sich massiv in unsere Herzen drängen, sind wir aufgerufen, das Lied des Lebens fröhlich und zuversichtlich zu singen. Gott selbst legt uns dieses Lied auf unsere Lippen.

Es erklang am ersten Ostermorgen bei Sonnenaufgang als das Grab leer war und die Frauen, dann die Jünger, allmählich begriffen: Der Herr ist auferstanden ... er ist wahrhaftig auferstanden!

Darum laßt uns singen von der Hoffnung gegen die Verzweiflung, von der Freude gegen die Trauer, vom Leben, das gegen den Tod aufsteht. Laßt uns singen, wie die Amsel in der Morgendämmerung singt, in der Gewißheit, daß die Sonne erwacht und der Tag mit Glanz aufstrahlt. Die Sonne ist immer da und sie scheint auch dann, wenn sie hinter dunklen Wolken verborgen ist.

Hören wir gemeinsam auf ein ganz besonderes Osterlied aus dem Alten Testament. Eine Frau singt es tausend Jahre vor Christus. Ihr Gesang steht im 1. Buch Samuel im 2. Kapitel:

1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, und mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan über meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. 2 Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist. 6 Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. 7 Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. 8 Er hebt auf den Dürfigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche.


Ja, es ist ein Jubellied des Lebens, ein Osterlied, das ein Mensch voller Freude und Dankbarkeit für Gott singt. Hanna ist sehr glücklich und ihre Gefühle müssen raus. Die ganze Welt soll es hören, was Gott für sie getan hat.

Was hat Hanna erlebt? Was bringt sie zum Singen? Die Geschichte ist schnell erzählt: Hanna lebte vor ca. 3000 Jahren im Bergland von Juda. Ihr Mann Elkana liebte sie sehr und doch konnte auch er ihr Schicksal nicht ändern. Hanna bekam keine Kinder. Für eine jüdische Frau war das schlimm, galt sie doch damit als verstoßen und von Gott gestraft.

Aber Hanna nimmt ihr hartes Los nicht einfach hin. Immer und immer wieder betet sie zu Gott und wünscht sich ein Kind. Jahre um Jahre vergehen, aber Hanna gibt nicht auf. Bis eines Tages das unglaubliche Wunder geschieht. Sie schenkt einem Sohn das Leben. Sein Name ist „Samuel“, was übertragen bedeutet „ich habe ihn vom HERRN erbeten … und der HERR hat erhört“.

Was sagt uns die Geschichte der Hanna heute und was hat sie mit Ostern zu tun? Hanna hat begriffen wie Gott ist und was Gott tut. Sie singt von dem Gott, der eine Lebensmacht ist. Sie singt von Gott dem Liebhaber des Lebens. Der Leben schaffen kann, wann immer er will, selbst wenn alles aussichtslos und tot erscheint.

Und das hat zutiefst mit Ostern und mit der Auerstehung Jesu zu tun. Ostern ist der Aufstand des Lebens gegen den Tod! Das was Gott tut, ist so lebendig und mächtig, daß Menschen nur noch staunen können. Der Tod ist verschlungen in dem Sieg … Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Und dann bricht sich die Dankbarkeit Bahn und das Lied des Lebens erklingt und verstummt nie mehr.

Hanna singt von diesem wunderbaren Gott: Es ist niemand heilig wie der HERR ... der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.

Beides hat Hanna durchgemacht. Tod und Leben hat sie am eigenen Leib erfahren. Tod und Leben hat sie mit jeder Faser ihres ganzen Körpers verspürt. Tod und Leben, das ist ihre persönliche Geschichte mit Gott. So erging es ihr und davon singt sie jetzt. Sie kann nicht anders. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

Sie singt weiter von dem Gott, der die Menschen in seinen Händen hält und der eine besondere Schwäche für die Schwachen hat, dem die Armen und Bedürftigen am Herzen liegen. Der HERR macht arm und macht reich, er erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche ...

Und plötzlich wird da eine Linie sichtbar, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel zieht. Die Linie der Treue und Zuverlässigkeit Gottes, der seine Menschen aus dem Tod ins Leben führt.

Jahrhunderte später singt Maria, die Mutter Jesu, ähnlich: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes ... denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist …

Die Erfahrung der Hanna deckt sich mit der Erfahrung der Maria. Und die Erfahrung beider ist die Erfahrung glaubender Menschen bis heute. Gott ist treu! Gott ist der Retter! Gott ist der Helfer! Gott ist der Sieger! Gott ist eine Lebensmacht! Du kannst dich auf ihn verlassen. Er führt dich aus der Finsternis ins Licht, aus dem Leid in die Freude, aus der Verzweiflung in die Hoffnung, aus dem Tod ins Leben.

Nicht alle und gerade jetzt werden dieses Lied vorbehaltlos mitsingen können:  Die Corona Opfer in Italien, in Spanien, in Frankreich, in den USA und auch in Deutschland singen ein gequältes und schmerzvolles Lied. Das disharmonische Lied des Todes! Wie passt das zu Ostern, zum Jubellied des Lebens?

Wir sollten es ehrlich zugeben und nicht verschweigen, daß mit Ostern die Kreuze auf dieser Welt nicht einfach verschwunden sind. Die Auferstehung macht die Kreuzigung nicht ungeschehen! Aber sie setzt sie in ein anders Licht! Die Schmerzen, die Enttäuschungen, die Ängste, die Sorgen und die Tiefschläge unseres Lebens sind mit Ostern nicht beseitigt und weggewischt, aber sie werden überstrahlt vom Licht des lebendigen Christus.

Er selbst tritt in die Mitte seiner ängstlichen Jünger und grüßt sie: Friede sei mit euch! Und er hat dabei die Todesmale an den Händen und Füßen nicht zugedeckt, sondern sie  offen gezeigt. Dadurch hat er die Jünger überzeugt, daß nicht der Tod, sondern das Leben das letzte Wort behält.

Auch die Gesänge von den Balkonen werden nicht verstummen, das Klatschen der Hände für die vielen kleinen und großen Lebensretter dieser Tage wird weiter erklingen, die unzähligen Zeichen des Lebens in einer todbedrohten Welt machen Mut und sie werden am Ende siegen, weil der Gott des Lebens seinen Segen darauf legt.

Amen

Lied     EG 556,1-4

Fürbitten

Heiliger, wunderbarer Gott, wir danken dir, dass du ein Gott bist, der das Leben liebt. Du hast Jesus Christus von den Toten auferweckt und uns dadurch die Hoffnung auf ein unvergänglichen Leben geschenkt.

Aber nicht erst in der Ewigkeit werden wir auferstehen, sondern schon hier und heute erleben wir Auferstehung durch deine Kraft. Wenn lebensbedrohende Mächte überwunden werden, wenn wir geheiltes und wiedergeschenktes Leben erfahren, wenn wir Zuwendung, Vertrauen und Gemeinschaft erleben. Das macht unser Leben hell und froh, kraftvoll und lebendig.

Wir bitten dich für alle, die in diesen schweren Tagen weltweit unter der Macht des Todes leiden. Die zahllosen Coronakranken und diejenigen, die täglich an dem Virus sterben. Wir bitten für die vielen Flüchtlinge, die unter menschenunwürdigen Zuständen leben müssen. Wir bitten für die hungernden und verhungernden Kinder weltweit. Wir bitten für die Opfer grausamer Kriege und Terroranschläge in Syrien und Jemen, in Afghanistan und Libyen und in vielen vergessenen Regionen dieser Welt.

Und wir bitten dich ebenso, du Gott des Lebens, für alle, die gegen die Macht des Todes ankämpfen mit aller Kraft und über ihre Kräfte hinaus: Für Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Alten- und Pflegeheimen, Verkäuferinnen und Verkäufer, die unsere Grundversorgung sichern und sich dabei selbst großer Ansteckungsgefahr aussetzen. Gott, beschütze du sie und segne ihr Tun.

Und für uns selbst bitten wir dich, dass wir gegen alle Resignation und Ohnmacht aufstehen und uns dem Leben zuwenden.

In der Stille bringen wir dir, was wir persönlich auf dem Herzen haben …

Du Gott des Lebens bist auf unserer Seite und du führst uns Schritt für Schritt.

Im Namen unseres auferstanden Herrn und mit seinen Worten beten wir:

Vaterunser

Segen

Und so geh getrost den nächsten Schritt ins Leben. Der auferstandene Herr ist an deiner Seite und geht mit dir.

Der Herr segne dich und behüte dich,

der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,

der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Das schenke dir der allmächtige und barmherzige Gott,

+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen

 

 

Verantwortlich für den Inhalt: Pfarrer i.R. Ulrich Bauer, Pegnitz

E-Mail: pfarrer.bauer@gmx.de