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Kirchengemeinde Lindenhardt

 

ANDACHT

 

Liebe Gemeinde,

„Staunen ist der erste Schritt zu einer Erkenntnis" - so soll es der französi­sche Chemiker und Bakteriologe Louis Pasteur einmal formuliert haben. Ich kann mir gut vorstellen, wie der Wissenschaftler immer wieder neu staunend über dem Mikrokosmos saß, der sich ihm unter den Linsen sei­nes Mikroskops auftat. Die Suche nach Erkenntnis begann für ihn mit den Staunen über die Rätsel des Lebens.

Staunend standen auch Menschen aller Jahrhunderte, wenn sie ihre Au­gen in einer klaren Nacht zum Himmel aufhoben. Smog und Lichtver­schmutzung verhindern heute oft den ungetrübten Blick ins Sternenmeer, aber die Faszination ist geblieben. Unendliche Weiten tun sich da auf, ein Meer von Sternen und eine kosmische Ordnung, die bereits antiken Völ­kern Ehrfurcht einflößte. Im alten Orient, wo die Bibel entstand, galt die Sterndeuterkunst als hohe Weisheit und Wissenschaft. Man erkannte im Kosmos eine göttliche Ordnung. Der Monatsspruch im November aus dem Buch Hiob legt davon Zeugnis ab:

„[Gott] allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers. Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens. " (H i 9,8-9)

Im bestirnten Himmel über ihren Häuptern erhaschten die Menschen der Bibel eine bewegende Ahnung von Gottes Größe. Anders als andere Völ­ker machte das biblische Volk Israel die Gestirne nicht zu Gottheiten—es fragte aber nach demjenigen, der den Himmelskörpern ihren Lauf gab. Der Blick in den Himmel beantwortete für sie nicht die Frage nach Gott—aber das Staunen über den Kosmos hielt diese Frage lebendig: „Was muss das für ein Gott sein, der all das erdacht hat?".

Glücklich, wer auch als Erwachsene*r das Staunen und Wundern nicht verlernt hat. Denn wer staunt, geht nicht nüchtern und abgeklärt an den Wundern der Welt vorüber—sondern lässt sich von der Welt bewegen. Wann haben Sie zum letzten Mal gestaunt? In der freien Natur, in der Begegnung mit einem Menschen oder beim Anblick eines Kindes? Oder bei ganz anderer Gelegenheit?

Für den, der an Gott glaubt, bekommen solche Erfahrungen des Staunens eine neue Qualität: Das, was mich da anspricht und innerlich bewegt, kann ich als Spur Gottes sehen—als eine ahnungsvolle Andeutung der Größe des Schöpfers, der tiefen Wahrheit hinter allem, der Liebe des drei­einigen Gottes.

Pfarrer Severin Wagner